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Tipp der Woche – Archiv und Abo

Zum Nachlesen finden Sie unten die bislang versendeten Tipps der Woche.

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Tipp Nr. 72: Die Super-Ressource nutzen
Zu den relativ neuen Erkenntnissen in der Psychographie, die sich bei der Erstellung der "Stärken-Profil-Analyse" in Form der "Haus-Darstellung" ergeben, gehört die Entdeckung der "Super-Ressource".

Wie auf www.123modell.de in der rechten Spalte an einem Beispiel zu sehen, zeigt sich für jedes Stärken-Profil genau eine von neun Stärken als besonders "klein" - woraus sich ihre enorme Wirksamkeit als Ressource ergibt - eben der "Super-Ressource".

Im Beispiel ist es das "Machen" beim Sachtyp-Denker - und so wunderte ich mich neulich nicht, als auf dem Flipchart im Büro eines solchen Sachtyp-Denkers kurz nachdem wir die Analyse durchgeführt hatten, in großen Buchstaben das Wort "Machen" zu lesen war.

Tipp der Woche: Finden Sie Ihre "Super-Ressource" heraus und nutzen Sie diese bewusst und regelmäßig!

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 71: Wie sich Stärken-Profile unbewusst zeigen
Auf ihrer Webseite www.dialog-ueber-deutschland.de bietet Bundeskanzlerin Angela Merkel (die ich für wir-verbunden, zukunftsorientiert und einen Denker halte) in großen Lettern Folgendes an:

"Lassen Sie uns gemeinsam nachdenken, wie wir in Zukunft leben wollen."

In solchen Sätzen zeigen sich für den "Kundigen" immer wieder genau die Stärken, die durch das Naturell des Einzelnen besonders ausgeprägt sind.

Oder wenn ein Kollege ins Büro kommt und sein erster Satz lautet: "Ich muss jetzt erstmal ganz viel machen." - dann lässt das schmunzeln, wenn man im Hinterkopf hat, dass man es mit einem "Handlungstyp, ich-verbunden, gegenwartsorientiert und Macher" zu tun hat.

Hinhören lohnt sich so gesehen nicht nur für Politiker, sondern auch für uns, die wir an den Unterschieden zwischen Menschen mehr als üblich interessiert sind.

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 70: In einem Jahr ist alles vergessen?
Auch wenn es sachlich für den Betroffenen und die Öffentlichkeit eine sehr unangenehme Geschichte ist, bieten die Vorgänge rund um den Bundespräsidenten Christian Wulff reichlich Anschauungsmaterial für den "Persönlichkeitskundler".

Mein schon länger bestehender Verdacht zum Beispiel, dass er zur Gruppe der Gegenwartsorientierten gehören könnte, verstärkte sich neulich, als er meinte, „In einem Jahr ist das alles vergessen“. Hier scheint er von sich selbst auszugehen - denn für die Gegenwartsorientierten vergeht das Vergehende nun einmal überwiegend schneller und spurenloser als für Vergangenheits- oder Zukunftsorientierte.

Merke: Einer der prägnantesten Unterschiede, die durch das Erkennen und Akzeptieren der eigenen Bevorzugungen entsteht ist die Erkenntnis, dass ich nicht von mir auf alle anderen (und nicht einmal auf die Mehrheit!) schließen darf.


Text und Redaktion: Werner Winkler

 
Tipp Nr. 69: Wünsche Sterbender
Eine Krankenschwester hat über viele Jahre die Wünsche gesammelt, die Sterbende ihr gegenüber geäußert haben - wie ich finde, eine Sammlung, die gerade aus Sicht der Psychographie eine gewisse Zuordnung (zu Grund- oder Untertypen) erlaubt und uns vielleicht dabei hilft, rechtzeitig gegen zu steuern. Wobei natürlich kritisch angemerkt werden könnte, dass diejenigen, die bereit sind, gegenüber einer Krankenschwester solche Wünsche zu äußern, vermutlich nicht gleichmäßig über alle unsere Typgruppen verteilt sein dürften. Die Häufung von typischen Handlungstyp-Wünschen lässt zudem vermuten, dass besonders diese Gruppe Menschen unter "Reuegefühlen" oder dem Eindruck, zu kurz gelebt zu haben, leidet.

Die "fünf Wünsche" in der Reihenfolge der Häufigkeit und in Klammern dahinter meine Vermutung der Bevorzugung:

1. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, ein Leben getreu mir selbst zu führen – anstatt eines, das andere von mir erwarteten. (Du-Verbundene)
2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet. (Handlungstyp/Aktioniker)
3. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, meine Gefühle zu zeigen. (dto. wie 2.)
4. Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben.(dto. wie 2.)
5. Ich wünschte, ich hätte mich glücklicher sein lassen. (dto. wie 2.)

Quelle: http://szmstat.sueddeutsche.de/blogs/nummereins/1647/nummer-eins-der-reue/

Ich werde diesen Text nach Erscheinen ins Forum einstellen und bin neugierig auf Rückmeldungen oder Ergänzungen dazu.

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 68: Drei Anekdoten
"Aus drei Anekdoten ist es möglich, das Bild eines Menschen zu geben." (Friedrich Nietzsche)

Eine Anekdote ist eine kurze und prägnante Geschichte aus dem Leben eines Menschen, das diesen Menschen oder jemand aus seinem Umfeld charakterisieren soll.

Ob es sich nun um eine Anekdote in einem Buch oder einer Zeitung handelt oder nur um den Tratsch in der Mittagspause unter Kollegen - offenbar mögen wir solche Kurzgeschichten und haben ein gutes Gespür dafür, uns daraus ein Bild von jemand zu machen.

Gerade in Biografien finden sich häufig ganze Anekdoten-Sammlungen und daher lautet der Tipp der Woche auch: wer etwas über einen Menschen lernen und nebenbei nachforschen möchte, welche Bevorzugungen er womöglich zeigt, findet reichlich Stoff in Biografien oder Autobiografien.

Wobei natürlich die Deutung von Geschichten hinsichtlich des Persönlichkeitstyps eine gewisse Erfahrung voraussetzt - wie am Beispiel der Anekdote über Immanuel Kant zu sehen: lässt seine überdeutliche Pünktlichkeit bei seinen täglichen Spaziergängen (nach der die Königsberger angeblich ihre Uhr stellen konnten) nun auf einen Handlungs- oder Sachtyp schließen? Eine Anekdote allein reicht also - wie schon Nietzsche wusste - meist nicht aus ...

Text und Autor: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 67: Drei bis einundachtzig Normalitäten
Was ist "normal", z.B. an Verhalten in einer bestimmten Situation? Die Relevanz der Naturell- oder Typunterschiede wurde mir neulich wieder bewusst, als ein Handlungstyp-Mensch seine Kritik mit dem Nachsatz versah: "Sie sollen sich einfach so verhalten, wie man sich normalerweise in solch einer Situation eben verhält."

Ein schönes Beispiel dafür, was geschieht, wenn jemand davon ausgeht, dass alle Menschen gleich sind (nämlich so, wie er selbst).

Das Wissen jedoch, dass es drei (Grundtypen) bis 81 (Untertyp-Kombinationen) zum Teil völlig verschiedene Sichtweisen auf das Leben allein schon aus dem angeborenen Naturell gibt, lässt diese Vereinfachung nicht zu.

Weil ich das weiß, kann ich mich entscheiden, mich dem Gegenüber zuliebe so zu verhalten, wie es in seinen Augen "normal" wäre - oder ich kann auch selbstbewusst sagen: Ich verhalte mich für meine Person völlig normal - nur sind Sie und ich eben verschiedene Menschen.

Das Nachdenken darüber und über die Konsequenzen kann ich meinem Gegenüber jedoch ebenso wenig abnehmen wie die Einsicht, dass er selbst nicht das Maß aller Dinge ist.

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 66: Drei Arten von Glück
In der ZEIT vom 29.12.2011 findet sich ein kurzer Artikel mit dem Titel "Spuren im Gehirn" - darin berichtet der Autor, dass sich aus der Biochemie des Gehirns genau drei Arten von Glück unterscheiden lassen, jede von ihnen durch unterschiedliche Botenstoffe ausgelöst:

1. Das "Glück des Wollens": Wenn man nach etwas strebt, stellt Dopamin die Belohnung in Aussicht, Endorphine lösen Euphorie aus.

2. Das "Glück des Vermeidens": Wenn man einer Bedrohung entgeht oder sie übersteht, sinken Kortisol- und Adrenalinspiegel und führen zu Entspannung.

3. Das "Glück des Seins": Wenn man das hat, was man braucht, bilden sich körpereigenes Morphium (Zufriedenheit), Serotonin (Beruhigung) und Oxytocin (Verbundenheitsgefühl).

Ich werde diesen Artikel auch ins Forum stellen und bin gespannt, welche Zuordnung zu unseren drei Typgruppen die Leser vornehmen.

Für 2012 jedenfalls ausreichend von allen drei Glücksarten - und jedem speziell etwas mehr von dem, wovon ihm bisher noch fehlt!

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 65: Rückblick ins Alte Jahr
Von Jahren wurde die Neujahrsansprache eines deutschen Bundeskanzlers vom Vorjahr wiederholt - und nur wenige Zuhörer hatten es bemerkt.

Der Zweck, warum ich an dieser Stelle einen Tipp der Woche vom vorigen Jahreswechsel wiederhole soll jedoch sein: Blicken Sie einmal kurz zurück und bewerten Sie, ob oder wie häufig es Ihnen gelungen ist, nur diesen einfachen, zu Ihrem Naturell passenden Tipp umzusetzen ...

Beziehungstypen/Relationiker: Nur ein Drittel so viel verschiedene Dinge anfangen und dafür dreimal so viel Zeit nehmen.

Sachtypen/Temporiker: Dreimal so viel wegwerfen wie bisher, dreimal so schnell aktiv werden, dreimal so häufig "Nein" sagen.

Handlungstypen/Aktioniker: Dreimal so häufig lächeln, dreimal so oft eine Verschnaufpause einlegen und etwas Schönes genießen, dreimal so viel Nachsicht mit sich selbst und seinen Unperfektheiten üben.

Und?

Text und Redaktion: Werner Winkler  
 
Tipp Nr. 64: Triaden-Kombination (4)
Ein schönes Beispiel für eine Triaden-Kombination bietet das Sprichwort: "Die wichtigste Stunde ist immer die gegenwärtige, der wichtigste Mensch: dein Gegenüber."

Die Kombination besteht hier also aus Gegenwartsorientierung und Du-Verbundenheit und fasst die vernachlässigten Ressourcen von zukunftsorientierten und wir-verbundenen Menschen zusammen:

Zukunft >> Gegenwart
Wir >> Du


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 63: Die Drei in der Weihnachtszeit
Am vierten Advent ist Gelegenheit, nach der Zahl Drei in der Weihnachtszeit Ausschau zu halten. Es ist ja kein Zufall, dass die christliche Gottheit keine Zwei-, sondern eine Dreifaltigkeit darstellt, dass die "heilige Familie" aus drei Personen (Vater, Mutter, Kind) besteht und dass das Jesuskind von drei Weisen besucht wird.

Philosophisch könnte man formulieren: das "dritte Element" wird als das Besondere, manchmal sogar als die (Er-)Lösung aus der Sackgasse der Dualität erlebt; wie schon Erich Fried jenen riet, die sich zwischen Herz und Verstand gefangen sehen: "Geh zwischen beiden den heimlichen Weg". Wobei es für die psychographisch Kundigen kein Geheimnis bleibt, was mit diesem "heimlichen Weg" gemeint ist - denn während das Herz zu "Gelb" und der Verstand zu "Blau" gehört, bietet sich uns das "Rot" mit dem praktischen Verhalten als Ausweg an.

Theologisch könnte also laienhaft formuliert werden: Zuerst schwebte laut dem Buch Genesis der Geist über dem Chaos (der "blaue" Anteil der Gottheit"), dann sprach der Schöpfergott (der "rote" Anteil) das Machtwort des "Es werde ..." bis schließlich (schon im jüdischen Glauben, aber explizit im Christentum) der menschliche, "gelbe" Anteil zu Tage tritt: die Güte, Liebe und Vergebungsbereitschaft des Kindes.

Einen entspannten vierten Advent, frohe Weihnachten und an dieser Stelle herzlichen Dank allen Lesern, besonders den kritischen, die mir immer wieder Rückmeldungen per E-Mail geben!

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 62: Triaden-Kombination (3)

Beispiel 3 (für Beziehungstypen): Anstatt "Auf der Beziehungsebene dramatisch-emotional mit Flucht und Rückzug reagieren." lässt sich eine neue Triade aus den jeweiligen Ressourcen bilden:

dramatisch-emotional -->> gelassen-sachlich
Beziehungsebene -->> Sachebene
reagieren -->> passieren lassen, passiv bleiben
Flucht -->> Verteidigung

Zusammen also als neues Leitmotiv: "Auf der Sachebene gelassen die eigene Meinung verteidigen und die Dinge passieren lassen."


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 61: Triaden-Kombination (2)

Beispiel 2 (für Sachtypen): Anstatt "Vorsichtig abwarten und wenig tun oder riskieren" lässt sich eine neue Triade aus den jeweiligen Ressourcen bilden:

vorsichtig -->> mutig
abwarten -->> etwas tun
wenig riskieren -->> viel investieren

Zusammen also als neues Leitmotiv: "Mutig etwas tun und viel investieren."


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 60: Triaden-Kombination (1)

Wer sich ein wenig mit der Psychographie oder dem 123-Modell beschäftigt, wird früher oder später auf die Triaden und ihren Nutzen stoßen - und vielleicht auch darauf, dass man sie miteinander kombinieren kann.

Beispiel 1 (für Handlungstypen): Anstatt "Das Projekt zielgerichtet und mit viel Kraft zu verfolgen" lässt sich eine neue Triade aus den jeweiligen Ressourcen bilden:

Ziel -->> (neuer) Anfang
viel Kraft -->> vielfältige Ideen
verfolgen -->> helfen, retten

Zusammen also als neues Leitmotiv: "Dem Projekt durch einen Neuanfang mit vielfältigen Ideen auf die Sprünge helfen."

Dass sich mit diesem Ansatz eine andere Haltung ergibt, versteht sich von selbst - und ich finde es immer wieder spannend zu sehen, wie Gesprächspartner auf solche passgenauen Alternativen reagieren (meist ziemlich verdutzt).

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 59: Von Goethe lernen.
Ein interessantes Phänomen, für das wir noch keinen speziellen Fachbegriff haben und das ich am Beispiel des (vermuteten) Beziehungstyps/Relationikers Goethe illustrieren möchte: Da entwickelt sich jemand aus seinem angeborenen Naturell heraus und erobert sich den schwächer ausgeprägten Stärkenbereich - im Fall Goethes den des Verstehens, Wissens, Forschens. Denn "schöne Gedichte schreiben" konnte er von Anfang an. Aber das Dazulernen, die Wissenschaft - das reizte ihn je länger, je mehr.

Und dann erkennt er irgendwann: "Es genügt nicht zu wissen, man muss es auch anwenden."

Aus psychographischer Sicht merkt Goethe, dass er nun den "zweiten Schritt" gehen muss und nicht in seinem Ressourcen- oder Entwicklungsbereich stehen bleiben darf.

Dass jemand nach dem (wertvollen und mühsamen) ersten Entwicklungsschritt heraus aus seiner ursprünglichen "Stärkenheimat" nicht mehr weiter kommt, merkt man beim Beziehungstyp daran, dass er nur noch am Verstehen und Dazulernen ist und keine praktischen Konsequenzen daraus zieht. Der Sachtyp/Temporiker hingegen verharrt im einmal erzielten Erfolg, arbeitet Tag und Nacht und bleibt im "viel hilft viel" gefangen, wo er doch weiter in Richtung Glück und Muse gehen sollte. Und der in Richtung seiner Ressourcen glückliche Handlungstyp/Aktioniker wird zu einem weinseligen oder die häusliche Gemütlichkeit übertrieben auslebenden, dumpfen Menschen, der sich davor scheut, seinen geistigen Neigungen nachzugehen oder sich intensiv mit Fachthemen zu befassen.
 
Tipp Nr. 58: Ohne Leistung kein Leben?
Rüdiger Grube, derzeitiger Chef der Deutschen Bahn und nach meiner Beobachtung ein Handlungstyp-Macher wie aus dem Lehrbuch, kämpft angesichts des Volksentscheids in Baden-Württemberg darum, dass seinem Lieblingsprojekt Stuttgart21 von den Stimmbürgern nicht der Finanzhahn zugedreht wird.

Ein Zitat aus einem Artikel der Stuttgarter Zeitung lässt den oben geäußerten Typverdacht weiter erhärten: "Rüdiger Grube ist dennoch optimistisch. Sein ganzes Leben  habe er nach einer Devise gelebt: Wenn du Leistung bringst, dann  kriegst du etwas dafür. Und für Stuttgart 21, findet er, hat schon jetzt ziemlich viel Leistung gebracht."

Wenn ich solche Sätze lese, muss ich immer an die vermutete Ursache für die Herausbildung des Handlungstyps denken - seine erste Lebenserfahrung: er muss ständig Leistung bringen, das mütterliche Blut gegen die Schwerkraft in seinen kleinen Körper pumpen, sonst muss er sterben. Dass ein Leben unter diesem enormen Druck "kein Ponyhof ist", kann man auch als Nicht-Handlungstyp verstehen.


Quelle Zitat: www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.volksabstimmung-ante-portas-grube-brennt-fu er-stuttgart-21-page1.3d285a27-5280-4ae1-b7d1-a4568d1d5867.html
 
Tipp Nr. 57: Die Götter verstehen.
"Es gibt noch viele Aspekte der menschlichen Natur, die wir verstehen müssen und für die es noch keine brauchbaren Modell gibt. Vielleicht sollten wir davon ausgehen, dass die Moral nur den Göttern bekannt ist und dass wir, wenn wir Menschen als Modellorganismen für die Götter betrachten, durch das Studium unserer Selbst vielleicht auch dazu kommen, die Götter zu verstehen."
(Sydney Brenner, Biologe , in seiner Nobelpreisrede 2002; zitiert nach Eric Kandel, Auf der Suche nach dem Gedächtnis; er etablierte einen Fadenwurm als Modellorganismus für das menschliche Nervensystem)

Diese Zeilen erinnerten mich an die Aussage eines Kollegen: "Als ich noch versuchte, Gott zu suchen, fand ich nur Menschen. Bei der Suche nach mehr Verständnis für die Menschen aber wuchs mein Verständnis für das, was wir Gott nennen fast von allein."


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 56: Kant, Raum, Zeit.
Immer wieder einmal freue ich mich über zufällige und unerwartete Zeilen in einem Buch, die das psychographische Modell unterstreichen, ohne dass der Autor diese Absicht hegte.

So neulich in dem spannenden Buch des Nobelpreisträgers und Hirnforschers Eric Kandel "Auf der Suche nach dem Gedächtnis". Am Beginn des 23. Kapitels heißt es da über Immanuel Kant (bei dem ich schon lange vermute, dass er Sachtyp/Temporiker war): "Kant (...) vertrat die Ansicht, dass unsere Fähigkeit zur Repräsentation des Raumes unserem Verstand von Natur aus mitgegeben sei. Der Mensch werde mit Kategorien für die Ordnung von Raum und Zeit geboren, so dass andere Sinneswahrnehmungen - von Objekten, Melodien oder Tasterlebnissen - automatisch in bestimmter Weise mit Raum und Zeit verknüpft würden."

Das trifft sehr gut das Erleben der Sachtypen - aber eben nur dieser Gruppe. Für mich als Beziehungstyp etwa verknüpfen sich "Objekte, Melodien oder Tasterlebnisse" eher und automatisch mit den emotionalen Zuständen oder den Beziehungen zu Menschen, die ich mit diesen Erinnerungen verbinde. Und für die Handlungstypen würde ich einmal behaupten, bei ihnen sind es die körperlichen Aktivitäten, an die sich die anderen Erinnerungsbestandteile anhängen ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 55: Angeboren, nicht vererbt.
Ab und zu finde ich einen Satz oder Begriff, einen Teilaspekt unseres Modells verständlicher zu machen als das bis dato gelungen ist.

Neulich war es wieder einmal der Fall. Da ging es um die Frage (eines "Neulings"), woher die Typunterschiede kämen, welchen Anteil die Eltern, die Erziehung, die Umwelt usw ...

Als ich darauf zu erklären versuchte, dass am Beispiel eineiiger, aber typverschiedener Zwillinge deutlich werde, dass die Ursache der Typunterschiede weder in den vererbten Genen noch in der Erziehung liegen könne, fiel mir dieser Satz ein: "Die Typunterschiede sind angeboren, aber nicht vererbt."

Sie entstehen also - nach allem, was wir bisher wissen - in der Zeit zwischen der ersten Zellteilung und der Geburt.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 54: Affentheater im Team
Eine weitere nützliche Metapher, die ich seit vielen Jahren einsetze, speziell, wenn es darum geht, die Auswirkungen der Typ- oder Naturellunterschiede in Teams zu verdeutlichen ist die Vorstellung, wie es wohl in einer Gruppe unterschiedlicher Primaten (Gorillas, Orang-Utans, Schimpansen) zugehen würde, ließe man sie gemeinsam ein Gehege in einem Zoo oder ein Stück Urwald beziehen.

Während in der Natur diese drei Arten nirgends gemeinsam auftreten, leben beim homo sapiens die verschiedenen Ausprägungen - also homo sapiens relationis, homo sapiens temporis und homo sapiens actionis, um einmal diese Begriffe zu verwenden - in den gleichen Lebensräumen, z.B. in einer Abteilung eines Unternehmens.

Zwar werden in vielen Unternehmen inzwischen kulturelle Unterschiede oder Geschlechterunterschiede berücksichtigt, aber noch nicht sehr häufig die Unterschiede im Naturell (und damit in Verhaltensstilen, Denkweisen, Stärkenausprägung usw.), wie wir sie als Psychographen fast schon selbstverständlich erkennen und damit umgehen. Das Bild der "Affenbande", die sich aus deutlich zu unterscheidenden Arten zusammensetzt, öffnet vielen hier dauerhaft die Augen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 53: Starke und schwache Hand
Eine sehr taugliche Metapher, um das Phänomen von Bevorzugung und Vernachlässigung in der Psychographie zu erklären ist Vorhandensein einer "starken" und einer "schwachen" Hand bei uns Menschen. Ich verwende dieses Bild immer wieder in Gesprächen mit Klienten, die noch nichts von unserem Thema gehört haben und merke, dass es sofort verstanden wird.

Also zum Beispiel so, dass für jemand (den wir zukunftsorientiert nennen) sein automatischer Reflex auf der zeitlichen Ebene in die Zukunft geht und er dadurch das Bewusstsein für die Gegenwart ausblendet. Trotzdem hat er natürlich die Möglichkeit dazu, bewusst den Moment zu erleben - ebenso wie ein Rechtshänder nicht nur seine rechte Hand benutzen kann, sondern auch die linke oder beide gleichzeitig.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 52: Wachstumsbereiche und Co.
Auf dem 12. Psychographie-Tag letzten Samstag in Stuttgart hörte ich zum ersten Mal ein schönes Wort als Bezeichnung für das, was wir bisher "Entwicklungsbereiche" (nach Dietmar Friedmann), Vernachlässigungen oder Ressourcen genannt haben, nämlich "Wachstumsbereiche" (so der Ausdruck von Guido Vetter) - ein wunderbar organischer Begriff, der spontan auf viel positive Resonanz stieß.

Für mich wieder - ähnlich wie bei dem Begriff "Stärken-Profil-Analyse" - ein schönes Beispiel, dass wir noch lange nicht am Ende der sprachlichen Möglichkeiten sind, die Phänomene zu beschreiben, die uns die Psychographie so wertvoll machen.

Und die Erinnerung daran, dass psychologische Vorgänge selten mit nur einem einzigen Wort korrekt benannt werden können und dass wir uns unnötig einengen, wenn wir uns auf die Verwendung eines einzigen Begriffs beschränken. So wundert es mich auch nicht, dass der erste Psychograph der Ukraine sich schon seit einigen Monaten darum bemüht, die psychographischen Fachwörter möglichst gut in seine Sprache zu übertragen - wenn wir im Deutschen nach inzwischen über 20 Jahren noch nicht "fertig" sind, darf es auch in anderen Sprachen durchaus etwas länger dauern ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 51: Stärken-Profil-Analysen
Statt dem lange verwendeten Begriff "Typanalyse" verwende ich seit ungefähr einem Jahr im Gespräch mit Nicht-Fachleuten bewusst die Bezeichnung "Stärken-Profil-Analyse", z.B. wenn ich gefragt werde, was ich als Coach oder Trainer in einem Team konkret mache.

Meine Erfahrungen damit sind durchweg positiv, vermutlich auch deshalb, weil sich fast jeder unter jedem einzelnen der drei Teilbegriffe etwas vorstellen kann und sie in der gemeinsamen Verwendung etwas Neues, Neugier weckendes bilden.

Diese Neugier lässt sich auch leicht mit einem kleinen Beispiel weiter anfachen, etwa mit einer Erläuterung zu unterschiedlichen Stärken-Profilen in der zeitlichen Wahrnehmung (gegenwarts-, vergangenheits- oder zukunftsorientierte Mitarbeiter). Dieses Phänomen ist vielen meiner Gesprächspartner bereits aufgefallen, ohne dass sie dafür eine Erklärung oder einen Fachbegriff kannten.

Fazit: Die Suche nach möglichst guten Begriffen lohnt sich - auch wenn es manchmal ein paar Jahre dauert!


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 50: Rückzug
Von der übertriebenen und oft vorschnellen Neigung der Beziehungstypen/Relationiker zum Rückzug war bereits die Rede, auch von einem häufigen Auslöser, nämlich der emotionalen Überbeanspruchung (die übrigens nicht nur in einer negativen, sondern auch in einer extrem positiven Situation auftreten kann).

Wann ist also ein Rückzug passend, speziell für einen Beziehungstyp-Menschen? Als Faustregel könnte hier (gemäß der Triade) gelten: wenn er sich alle drei Optionen - also Angriff, Verteidigung und Rückzug als gleichwertige Optionen in Ruhe angeschaut und danach entschieden hat, welche davon er nutzen möchte. Dies gelingt freilich eher mit ausreichend Zeit, Abstand und einem kühlen Kopf als "im Eifer des Gefechts".

Für Sachtypen scheint ein Rückzug vor allem dann passend, wenn die Möglichkeiten zum Angriff entweder ohne den erhofften Erfolg ausgereizt oder völlig aussichtslos sind.

Und für Handlungstypen gilt der Tipp, den Rückzug fest als eine positive Handlungsoption einzuplanen und darin keine Schwäche, sondern die souveräne Entscheidung eines freien Willens zu sehen. Das Sprichwort "Der Klügere gibt nach" könnte aus dieser Erkenntnis entsprungen sein. Nach meiner Erfahrung wirken Handlungstypen übrigens sehr sympathisch, wenn sie sich als faire Verlierer outen und auf die letzte denkbar Stufe der Konflikteskalation verzichten.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 49: Angriff
Mit Angriff ist, wie im letzten Tipp der Woche bereits ausgeführt, die Bevorzugung der Handlungstypen beschrieben. Häufig geht es bei ihnen nach dem bekannten Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" und ein Rückzug oder gar die Flucht wird fast schon als Niederlage gewertet. Auch Sprichwörter wie "lieber tot als unfrei" könnten aus dieser Gruppe und Haltung entspringen.

Während sich also Beziehungstypen viel zu schnell und oft als Reaktion auf das Gefühl, nicht geliebt zu werden, zurückziehen, schließen Handlungstypen diese Option fast vollständig aus. Die Erfahrung zeigt aber, dass eine kritische Situation im Leben eines Handlungstyps oft schon allein dadurch entspannt, dass er den Raum (auch mit einer Entschuldigung) verlässt und tief Luft holt.

Wagen sich Sachtypen in ihre vernachlässigte Ressource und greifen aktiv und mutig an, anstatt sich defensiv (und in Opferhaltung) zu verteidigen, begeben sie sich auf eher ungewohntes Terrain und sollten deshalb damit rechnen, auch einmal einen Fehler zu machen und daraus zu lernen. Manchmal kann die Erfolgsaussicht für Sachtypen auch dadurch erhöht werden, dass sie sich gute Vorbilder suchen. Denn klar ist: wenn jemand auf einer bekannten Route schon einmal erfolgreich einen schwierigen Weg bis zum Ziel geschafft hat, lohnt es sich, diesen zumindest bei der eigenen Routenplanung in Betracht zu ziehen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 48: Verteidigung
In der Triade

- Rückzug/Flucht (gelb)
- Verteidigung (blau)
- Angriff (rot)

stellt die Verteidigung die Bevorzugung der Sachtypen/Temporiker und somit die Vernachlässigung der Beziehungstypen/Relationiker dar. Anders gesagt: Sachtypen verteidigen sich zu häufig und reflexartig, Beziehungstypen eher zu selten (sie wählen stattdessen zu häufig den Rückzug bzw. treten die Flucht an).

Beobachten wir also einen Sachtypen in der Verteidigungshaltung, können wir ihn dazu ermutigen, aktiver zu werden und ruhig einmal den Angriff zu wagen. Die Chancen stehen gut, dass als Ergebnis (der Triade folgend) der ursprüngliche Angreifer den Rückzug antritt.

Getraut sich hingegen ein Beziehungstyp, seinen (meist emotional verursachten) Impuls zum Rückzug zu unterdrücken und sich zu verteidigen, ist ihm zu besonderer Sachlichkeit, Vernunft und zu einer undramatischen Sprache zu raten.

Zuletzt für die Handlungstypen: Für sie sollte es nicht nur zwischen Verteidigung und Angriff hin- und hergehen - zusätzlich können sie auch einen (womöglich taktischen) Rückzug in Betracht ziehen, um ihre Verteidigungsstrategie in Ruhe und ohne hektischen Aktivismus zu planen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 47: Vom Vorausblicken der Zukunftsorientierten
Im Umgang mit zukunftsorientierten Menschen muss man sich darauf einstellen, dass das Gegenüber die Dinge automatisch aus der Zukunftsperspektive betrachtet - also etwa daraufhin, wie ein Projekt weitergehen bzw. zu Ende gehen soll. Auch Vorfreude oder Zukunftsängste werden eher stärker ausgeprägt sein als bei Vergangenheits- oder Gegenwartsorientierten.

Zur Erinnerung: durch die Bevorzugung der Zukunft ist die Gegenwartsorientierung schwächer ausgeprägt - diese kann jedoch durch gezieltes Ansprechen, Bewusstmachen oder Trainieren zumindest punktuell gestärkt werden. Eine hilfreiche Frage kann hier lauten: Welche Konsequenz hat das, was du dir für die Zukunft vorstellst, für dein heutiges Leben?


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 46: Von der Speicherkapazität der Vergangenheitsorientierten
Die Unterschiede im Erinnerungsvermögen zwischen Menschen werden vor allem dann offenkundig, wenn Vergangenheitsorientierte auf Gegenwarts- oder Zukunftsorientierte treffen. Hier hilft das Wissen um diese Unterschiede beim Verstehen bzw. Akzeptieren.

Ein Beispiel: Drei Kollegen in einer Besprechung. Der Zukunftorientierte stellt eine, wie er meint, völlig neue Idee vor. Dem Vergangenheitsorientierten fallen auf Anhieb zwei bis drei ähnliche Projekte ein, die vor vielen Jahren schief gingen. Für ihn handelt es sich keineswegs um ein neues Projekt, sondern um eine schlichte Wiederholung und er sieht ein ähnliches Ergebnis voraus. Die gegenwartsorientierte Kollegin hingegen findet die Idee interessant - sie hat völlig vergessen, dass früher bereits vergleichbare Ansätze versucht wurden.

Je nach Grundtypus wird sich die Vergangenheitsorientierung eher auf Negatives (beim Handlungstyp/Aktioniker), auf Positives (beim Beziehungstyp/Relationiker) oder auf Kritisches (beim Sachtyp/Temporiker) konzentrieren. Für eine typgerechte Intervention und um alle Aspekte der Erinnerungen abzurufen sollte daher bei bevorzugt negativen Erinnerungen gezielt nach positiven gefragt werden, bei nur positiven nach den sehr kritischen und bei den kritischen nach den negativen - entlang der Triade Ja/Vielleicht/Nein.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 45: Die Vergesslichkeit der Gegenwartsorientierten
Einen gegenwartsorientierten Menschen erkennen Sie zum Beispiel daran, dass er sich relativ viele Notizen macht und oft auch erwartet, dass andere das tun. Da er von sich selbst weiß, dass Vergesslichkeit "normal" ist, unterstellt er das auch seinen Mitmenschen - vor allem dann, wenn er sie noch nicht so gut kennt. Macht er sich etwa in einer Besprechung Notizen und Sie nicht, könnte er das so auslegen, dass Sie kein Interesse daran haben, sich das zu merken, worüber gesprochen wurde.

Die positive Seite dieser "Vergesslichkeit" (die wohl eher als extrem selektive Speicherung bezeichnet werden müsste) ist jedoch, dass Gegenwartsorientierte wesentlich flexibler darin sind, getroffene Vereinbarungen wieder spontan zu ändern, wenn neue Aspekte auftauchen. Auch sind sie bei weitem nicht so nachtragend wie etwa Vergangenheitsorientierte und vergessen auch kleine bis mittlere Kränkungen, Fehler oder Missklänge bald wieder.

Wobei man sich darauf bei schwerwiegenderen Erlebnissen nicht verlassen sollte - ein gegenwartsorientierter Jugendlicher drückte es gegenüber seiner Mutter nach einem Streit so aus: auch wenn ich gegenwartsorientiert bin - das vergesse ich dir nicht!


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 44: Was Fühlern beim Verdauen hilft
Menschen, bei denen das Fühlen besonders stark ausgeprägt ist (die "Fühler") neigen dazu, im Laufe eines Tages viele Reize aufzunehmen, sie aber nicht gut zu verdauen.

Um den Vorgang des Verarbeitens der aufgenommenen Reize zu ermöglichen, sollte die Reizzufuhr eine Zeit lang reduziert werden - also die Augen schließen, die Musik auszuschalten, die Stille zu suchen. Vermutlich ist deshalb der Schlaf für Fühler die beste Regeneration, besonders nach anstrengenden, also reiz-vollen Tagen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 43: Wenn Macher einmal nichts machen.
Die "Macher-Menschen", also jene, die im psychographischen 123-Modell das Machen bevorzugen und das Wahrnehmen vernachlässigen, sind in aller Regel eher selten still. Was nicht bedeutet, dass sie immer sprechen, singen, pfeifen oder mit Hilfe eines Instruments Lärm machen (als Teilnehmer zahlreicher Demonstrationen gegen Stuttgart21 weiß ich, wovon ich rede ...) - aber irgendwie sind sie häufiger in Bewegung als etwa "Denker-Menschen", zu denen ich selbst gehöre.

Schweigt nun der Macher-Mensch ausnahmsweise einmal oder macht er auch sonst nichts, und das sogar über eine längere Zeitspanne, lohnt es sich, genauer nachzusehen: einmal vorausgesetzt, er schläft nicht, ist es wahrscheinlich, dass er dann in einem spannenden Buch versunken ist, einen fesselnden Film schaut oder jemanden zuhört, dessen Worte ihn faszinieren.

Merke also: Wenn Macher schweigen nutzen sie häufig ihre vernachlässigte Wahrnehmungsfähigkeiten (also fachsprachlich ihre "Ressource") - und dabei sollte man sie nicht ohne Grund stören. Und was den Beratungs-, Therapie- oder Coaching-Kontext betrifft, lässt sich sagen, dass ein Macher-Mensch im Zuhörmodus dabei ist, Neues aufzunehmen und man als Berater, Therapeut oder Coach durchaus weiter reden sollte um so dem Zuhörer mehr "Futter" zu geben.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 42: Vom schweifenden Blick der Wir-Bezogenen
Während, wie in der letzten Folge beschrieben, die Du-Bezogenen sich häufig durch besonders große Augen und einen sehr eindringlichen Blick zu erkennen geben, lässt sich bei den Wir-Bezogenen (oder Wir-Verbundenen) oft der "umherschweifende Blick" beobachten.

Neulich erst fiel er mir beim bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer auf: während er mit dem Journalisten (bzw. der Kamera) sprach, schaute er ständig über beide hinweg oder an beiden vorbei - vermutlich, weil "Drumherum" spannendere Dinge oder Menschen zu sehen waren.

Mir selbst passierte es vor Jahren in einem Café, wo ich mich mit einem Bekannten zum Plaudern traf, der wie ich selbst wir-verbunden ist. Anstatt, wie zu erwarten, den Blick auf den anderen gerichtet zu halten, während wir uns rege austauschten, wanderten unserer beiden Blicke über den Marktplatz, auf dem das Café Stühle nach draußen gestellt hatte.

Als es mir auffiel und ich ihm das Phänomen erläuterte, war er direkt dankbar - ihm bzw. seinen Bekannten war dieses Verhalten auch schon aufgefallen, sie hatten es teilweise aber als Desinteresse am Gegenüber gedeutet oder interpretiert, der Junggeselle würde einfach jeder hübschen Frau in Sichtweite nachsehen ...

Tipp daher: Habt Verständnis für uns Wir-Verbundene - wir (!) können fast nicht anders, als immer "alle" im Blick zu haben.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 41: Du-Augen sind Kuh-Augen?
Auf der Suche nach äußerlich klar und rasch zu erkennenden Typmerkmalen wurde schon vor einigen Jahren offenkundig, dass die Du-Bezogenen (oder Du-Verbundenen) unter uns sehr häufig an ihren großen, zum Fixieren des Gegenübers neigenden Augen zu erkennen sind.

Klar ist natürlich, dass es sich hier zunächst um den Verdacht einer Zuordnung handelt, der im Gespräch gemeinsam überprüft werden muss. Zumindest aber liefert es denjenigen, die es nicht gewohnt sind oder nicht mögen, so "angestarrt" zu werden, eine wohlwollende Erklärung für diese Art der Kontaktaufnahme.

Obwohl schon bei du-bezogenen Kindern dieses Phänomen zu beoabachten ist, könnte es durchaus auch sein, dass es einfach durch die Gewohnheit entsteht, das Gegenüber besonders lange und intensiv anzusehen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 40: Vom Schweigen der Denker
Neulich in einem Workshop zum 123-Modell erlebten die Teilnehmer (und ich selbst natürlich) einen sehr typischen Denker (Untergruppe, vom Grundtypus her Sachtyp/Temporiker). Es war nur eine kleine Gruppe, so dass jeder zu Wort kam bzw. hätte kommen können. Nur unser Denker schwieg fast komplett, hörte offenkundig aber interessiert zu und "dachte sich seinen Teil".

In der ersten Feedback-Runde zur Halbzeit fiel es den anderen Anwesenden auf, dass dieser Teilnehmer nun zum ersten Mal ausführlicher sprach und ihm selbst wurde ziemlich deutlich, dass seine "Super-Ressource", das "Machen", nicht zufällig den kleinsten Raum im "Persönlichkeitshaus" einnimmt - hier ein Beispiel zum Download: http://www.123modell.de/spa-muster2112.pdf

Auch wurde den restlichen Teilnehmern auf diese Weise überdeutlich, warum man einen Denker (zumal einen Sachtyp-Denker) in Gesprächsrunden immer wieder gezielt dazu auffordern muss, seine Gedanken mit den anderen zu teilen. Und am Ende meinte der Denker dann auch ganz offen: "Ich glaube, ich muss mich öfters äußern."

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 39: Der tänzelnde Gang der Beziehungstypen
Nicht umsonst leitete Dietmar Friedmann in den Anfangszeiten seiner Typenbeobachtung häufig den Typverdacht daraus ab, welche Gangart ein Mensch zeigt, wenn er sich im normalen Modus bewegt.

Neben dem sehr aufrechten und fast marschartigen Gang der Handlungstypen und dem lockeren dahinschlendern der Sachtypen lässt sich bei Beziehungstypen häufig eine Gangart beobachten, die ich als "tänzelnd" bezeichnen würde.

Besonders wenn es einem Beziehungstypen emotional sehr gut geht, wenn er von anderen bewundert wird (oder er die bewundernden Blicke Dritter auf sich spürt), sieht man dieses fast balzende und kokettierende Verhalten.

Auch bei Beziehungstyp-Kindern lässt sich aus der Art des Ganges leicht auf die innere Stimmung schließen - gute wie schlechte Erlebnisse schlagen sich kurz darauf in der Bewegung nieder, sei es in einem hüpfenden Springen oder einem mürrischen, steinekickenden Protestmarsch.

So gesehen: zeige mir, wie du gehst und ich sage dir, zu welcher Typengruppe du gehörst :)


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 38: Von der Lockerheit des Sachtypen
Ein Phänomen, das für mich stets einen Sachtyp-Verdacht aufkommen lässt ist die Art von Lockerheit, bei der zum Beispiel einem Spaziergänger die Arme und sogar die Hände im Rhythmus des Gehens mitschwingen. Es wirkt fast so, als wären die Gelenke an den Schultern ausgekugelt und nur noch durch die Sehnen und die Haut am Körper angewachsen.

Zu dieser Beobachtung passt auch die Fähigkeit von Sachtypen, fast jederzeit "auf Befehl" die Arme oder Beine so locker lassen zu können, dass sie nach dem Anheben und Loslassen durch einen Dritten ungehindert der Schwerkraft folgen. Eine ähnliche Spannungslosigkeit lässt sich auch beim spontanen Händedruck von Sachtypen wahrnehmen ("wie wenn man einen Fisch in der Hand hat").

Für Beziehungstypen und vermutlich auch für Handlungstypen ist das ein nur schwer oder gar nicht zu erreichender Zustand.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 37: Vom "bösen Blick" der Handlungstypen
Eine der massivsten Missdeutungen dessen, was ich an anderen Menschen zu beobachten glaubte, war (bevor ich über die Typunterschiede aufgeklärt wurde) ein Blick der Handlungstypen, den ich als "böse" oder "abweisend" interpretierte; was auch mit daher rührt, dass es Beziehungstypen gewohnt sind, aus dem Gesicht anderer zu lesen (weil man bei unserer Gruppe meist am Gesicht erkennt, wie es uns geht oder was uns beschäftigt).

Nach wiederholter Auskunft von Handlungstypen handelt es sich bei so einer Mimik aber keineswegs um eine Auskunft bezüglich der inneren Verfassung oder gar darüber, was der so Schauende über den Angeschauten denkt. Es scheint einfach eine Art "Nicht-Mimik" zu sein, die dann auftritt, wenn der Handlungstyp mit etwas stark beschäftigt ist.

Das nette Lächeln muss sozusagen absichtlich "angeknipst" werden - vielleicht sieht man deshalb auch gerade bei Handlungstypen besonders schöne lächelnde Gesichter. Ich erinnere mich an eine Handlungstyp-Kollegin, die sich angewöhnt hat, am Telefon absichtlich zu lächeln - weil dann ihre Stimme viel freundlicher klingen würde ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 36: Über violette Kommunikation
Als "violette Kommunikation" bezeichnen wir die Kommunikation zwischen dem roten Typus (Handlungstyp, Aktioniker) und dem blauen Typus (Sachtyp, Temporiker).

Im Gegensatz zu "gelber", "blauer" oder "roter" Kommunikation, bei der auf beiden Seiten der gleiche Typus kommuniziert und gegenseitiges Verständnis wahrscheinlich ist, treten hier bei der "gemischtfarbigen" Kommunikation eher Missverständnisse auf.

Ist sich mindestens einer der beiden Kommunikationspartner dieses Umstandes bewusst, kann dieser steuernd Einfluss nehmen. So kann der rote Typus seine Direktheit etwas zurücknehmen und die positiven, persönlichen und emotionalen Aspekte stärker berücksichtigen. Der blaue Typus hingegen kann dadurch positiven Einfluss nehmen, dass er die aus seiner Sicht eher grobe und viel zu zielorientierte Art der Kommunikation als Bestandteil des Naturells seines Gegenübers versteht und akzeptiert.

Eventuell kann "Rot" hier auch etwas Platz im "roten Bereich" machen und nicht dem blauen Gesprächspartner ständig seine Schwachstellen vorhalten, indem er selbst seine Stärken zu sehr in den Vordergrund stellt.

"Blau" kann die Kommunikation auch noch in sofern positiv beeinflussen, dass die gelben Aspekte (etwa die emotionalen Angelegenheiten) nicht übergangen werden, z.B. weil er die Stärken des "Roten" zu sehr bewundert und darüber dessen typbedingte Schwachstellen ausblendet.


Eine Kurzübersicht über die Merkmale, Stärken und Schwächen der drei Gruppen findet sich auf den Seiten
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe1.pdf (gelb)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe2.pdf (blau)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe3.pdf (rot)

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 35: Über grüne Kommunikation
Als "grüne Kommunikation" bezeichnen wir die Kommunikation zwischen dem gelben Typus (Beziehungstyp, Relationiker) und dem blauen Typus (Sachtyp, Temporiker).

Im Gegensatz zu "gelber", "blauer" oder "roter" Kommunikation, bei der auf beiden Seiten der gleiche Typus kommuniziert und gegenseitiges Verständnis wahrscheinlich ist, treten hier bei der "gemischtfarbigen" Kommunikation eher Missverständnisse auf.

Ist sich mindestens einer der beiden Kommunikationspartner dieses Umstandes bewusst, kann dieser steuernd Einfluss nehmen. So kann der gelbe Typus seine Emotionalität etwas zurücknehmen und die sachlichen, thematischen und ökonomischen Aspekte stärker berücksichtigen. Der blaue Typus hingegen kann dadurch positiven Einfluss nehmen, dass er die aus seiner Sicht eher hektische und unkonzentrierte Art der Kommunikation als Bestandteil des Naturells seines Gegenübers versteht und akzeptiert.

Eventuell kann "Blau" hier auch etwas Platz im "blauen Bereich" machen und nicht dem gelben Gesprächspartner ständig seine Schwachstellen vorhalten, indem er selbst seine Stärken zu sehr in den Vordergrund stellt.

"Gelb" kann die Kommunikation auch noch in sofern positiv beeinflussen, dass die roten Aspekte (etwa die praktischen Dinge) nicht übergangen werden, z.B. weil er die Stärken des "Blauen" zu sehr bewundert und darüber dessen typbedingte Schwachstellen ausblendet.


Eine Kurzübersicht über die Merkmale, Stärken und Schwächen der drei Gruppen findet sich auf den Seiten
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe1.pdf (gelb)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe2.pdf (blau)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe3.pdf (rot)

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 34: Über orangene Kommunikation
Als "orangene Kommunikation" bezeichnen wir die Kommunikation zwischen dem gelben Typus (Beziehungstyp, Relationiker) und dem roten Typus (Handlungstyp, Aktioniker).

Im Gegensatz zu "gelber", "blauer" oder "roter" Kommunikation, bei der auf beiden Seiten der gleiche Typus kommuniziert und gegenseitiges Verständnis wahrscheinlich ist, treten hier bei der "gemischtfarbigen" Kommunikation eher Missverständnisse auf.

Ist sich mindestens einer der beiden Kommunikationspartner dieses Umstandes bewusst, kann dieser steuernd Einfluss nehmen. So kann der gelbe Typus seine Emotionalität etwas zurücknehmen und die praktischen, zählbaren oder ergebnisorientierten Aspekte stärker berücksichtigen. Der rote Typus hingegen kann dadurch positiven Einfluss nehmen, dass er die aus seiner Sicht viel zu verspielte, unernste oder persönliche Art der Kommunikation als Bestandteil des Naturells seines Gegenübers respektiert und akzeptiert.

Eventuell kann "Gelb" hier auch etwas Platz im "gelben Bereich" machen und nicht dem gelben Gesprächspartner ständig seine Schwachstellen vorhalten, indem er selbst seine Stärken zu sehr in den Vordergrund stellt.

"Rot" kann die Kommunikation auch noch in sofern positiv beeinflussen, dass die blauen Aspekte (etwa die ökonimischen Dinge) nicht übergangen werden, z.B. weil er die Stärken des "Gelben" zu sehr bewundert und darüber dessen typbedingte Schwachstellen ausblendet.

Eine Kurzübersicht über die Merkmale, Stärken und Schwächen der drei Gruppen findet sich auf den Seiten
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe1.pdf (gelb)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe2.pdf (blau)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe3.pdf (rot)

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 33: Die Ausnahmen
Aus der Kombination zwischen den Erfahrungen der Lösungsorientierten Kurztherapie und den Erkenntnissen aus den Typunterschieden lassen sich sehr praktikable Beobachtungsinstrumente bzw. Interventionen für die Gesprächsführung entwickeln.

Ein besonders nützliches Beispiel ist die Suche nach den so genannten Ausnahmen. Wir achten also nicht darauf, was uns ständig oder häufig passiert, sondern darauf, was nur ausnahmsweise, selten oder gar einmalig auftritt. Stellt so eine Ausnahmeerscheinung einen "erwünschten Unterschied" dar, versucht man, ihn absichtlich zu wiederholen.

So könnte etwa ein Beziehungstyp ausnahmsweise einmal zwei Jobangebote parallel bekommen. Beide erscheinen ihm reizvoll, so dass er nach Kriterien der Unterscheidung suchen muss. Bei dieser zeitaufwändigen Detailarbeit merkt er, dass es bei beiden Angeboten einen "Haken" gibt und gleichzeitig, dass er bisher viel zu oberflächlich und gutgläubig mit solchen Entscheidungen umgegangen ist. Also nimmt er sich vor, künftig öfters oder sogar regelmäßig mit mehr Zeit und Genauigkeit Informationen zu sammeln, bevor er sich entscheidet.

Dass diese "Ausnahmen" für jeden Typus an anderer Stelle zu finden sind, brauche ich hier wohl nicht extra zu erwähnen ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 32: Die drei Stadien des Seins
Im Film "Kundun" über die Geschichte des Dalai Lama gibt es eine Szene, in der der junge Dalai Lama einen buddhistischen Lehrtext zitiert:

"Und genau um Mitternacht
sah Bodhisattva ein gleißendes Licht.

Und in einem einzigen Augenblick sah er
die drei Stadien des Seins:

Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft,
mit durchdringender Klarheit."

Eine schöne Verbindung der Begriffe "Sein" und den drei Zeiträume, wie sie in der Landkarte der Psychographie benannt werden.

Wenn Sachtypen - was mir öfters passiert - mit dem Begriff "Zeitorientierung" nichts anfangen können, verbinde ich das mit dem Seinsbegriff. In der Regel wird es dann besser verstanden. Für Sachtypen scheint also "Dasein" und "Zeit" ganz automatisch verbunden zu sein.

Für mich als Beziehungstyp immer wieder faszinierend ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 31: Was ist das "Naturell"?
Je länger ich mich mit den vielen Begriffen befasse, die rund um "unser Thema" verwendet werden, desto klarer wird mir, dass der Begriff "Naturell" sehr gut das trifft, was wir mit "Typus" meinen.

Neulich - während der heißen Phase des Wahlkampfes in Baden-Württemberg - hieß es z.B., Teile der CDU kämen mit "dem Naturell" von Stefan Mappus, dem Ministerpräsidenten, nicht klar. Wir würden wohl sagen "mit seinem Typus".

Um es deutlicher auszudrücken: Unter Typus oder Naturell verstehen wir die Anteile der Gesamtpersönlichkeit, die weder durch Vererbung, Umwelt noch Erziehung oder Biografie verursacht sind, sondern durch einen zusätzlichen Faktor - vermutlich durch die epigenetische Erstprägung des Embryos während der Einnistung in die Gebärmutter-Schleimhaut.

In der europäischen Antike nannte man diesen Teil des Menschen übrigens "Temperamtent", woher auch die "Vier-Temperamenten-Lehre" mit den bekannten Typen der Choleriker, Sanguiniker, Melancholiker und Phlegmatiker stammen.

Heutzutage wird jedoch in der Umgangssprache "Temperament" meist als "feuriger Charakter" aufgefasst, weshalb ich mehr und mehr dazu tendiere, außerhalb von Fachkreisen vom "Naturell" eines Menschen zu sprechen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 30: 1+2+3=6
Durch Zufall bin ich dieser Tage auf eine einfache Metapher dafür gestoßen, wie sich die drei Basis-Stärken und deren unterschiedliche Gewichtung beschreiben lassen:
Stellen wir uns einen Würfel mit seinen sechs Seiten vor - allerdings nicht mit Punkten oder Zahlenwerten, sondern farbig markiert. Sind z.B. drei Seiten rot, zwei blau und eine gelb, ist das ein Bild für den Handlungstyp/Aktioniker und seiner Bevorzugung der "roten Seite" bei gleichzeitiger Vernachlässigung der "gelben".

Legt man den Würfel mit der gelben Seite nach unten auf den Tisch, könnte man meinen, er wäre nur rot und blau eingefärbt - aber nicht ausschließlich rot, wie manche am Anfang das 123-Modell missverstehen. Jeder Würfel ist so gesehen eine "Mischung" der drei Farben - und doch ist klar, wo die Präferenz liegt.

Und würfelt man einfach drauf los und führt eine Strichliste, wird ganz sicher "rot" gewinnen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 29: Wer nimmt etwas ganz Neues an?
Immer wieder werde ich gefragt, speziell von solchen Kolleginnen oder Kollegen, die erst recht kurz mit der Psychographie zu tun haben, warum die Verbreitung dieses so offenkundig nützlichen Modells nicht schon viel weiter vorangekommen ist.

Einer der Gründe dafür, dass es eher langsam geht, dürfte die Tatsache sein, dass etwas ganz Neues nicht ohne weiteres vom menschlichen Gehirn angenommen wird.

Anhand der zahlreichen "Ausnahmen", wo dies doch funktionierte, meine ich, drei Kriterien beobachtet zu haben, die den Zugang zu unserem Typenmodell erleichtern:

1. Es besteht Vertrauen zu demjenigen, der davon berichtet.

2. Es liegt eine Problemstellung oder ein Phänomen vor, das mit bisherigen Kenntnissen oder Erklärungsmodellen nicht befriedigend bearbeitet werden kann.

3. Es ist ein gewisses Maß an Interesse für Menschen, für Zwischenmenschliches, für Unterschiede zwischen Menschen vorhanden - man könnte auch vielleicht von "sozialer Intelligenz" sprechen.

Sind alle drei Voraussetzungen gegeben, scheint mir die Aufnahmebereitschaft auch für so etwas Neues und oft "Umwerfendes" wie die psychographischen Typunterschiede recht hoch zu sein, etwa im Gespräch mit Freunden oder auch mit Klienten in der Beratung oder im Coaching.

Anders gesagt: Würde eine Vertrauensperson wie etwa die ehemalige Bischöfin Margot Käßmann einer Gruppe Seelsorgern in der Ausbildung anhand praktischer Beispiele aufzeigen, wie mit typunterschiedlichen Menschen gute Gespräche geführt werden können, ihr wäre eine hohe Aufmerksamkeit und dem Thema eine hohe Aufnahmebereitschaft fast sicher.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 28: Typologie ist nicht gleich Typologie
Während an den deutschen Universitäten erst ganz zögerlich der Nutzen von guten Typologien erkannt wird, sind sie in vielen Unternehmen bereits seit vielen Jahrzehnten in Verwendung, z.B. in der Personalauswahl oder im Vertrieb.

Erst neulich machte die Hamburger Sparkasse Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass ihre Mitarbeiter Kunden in bestimmte Gruppen einsortiert haben, um ihnen dann mit möglichst passenden Argumenten Finanzprodukte zu verkaufen.

Wenn man sich einen Überblick über die am Häufigsten verwendeten Typologien verschafft (aus meiner Sicht sind dies DISG, MBTI, Insights, HDI, Struktogramm, Enneagramm) ist es doch verwunderlich, auf welche alten und zum Teil sogar uralten Modelle man so setzt.

Anders gesagt: wir brauchen uns mit der Psychographie bzw. dem 123-Modell, wie ich es im Umgang mit Unternehmen gerne nenne, nicht zu schämen.

Eine Vergleichstabelle aus Sicht der Anwender habe ich hier zusammengestellt: www.123modell.de/vergleich.htm - vielleicht hilft das ab und zu, wenn die Sprache auf scheinbar ähnliche Modelle kommt. Und auch die schon etwas länger im Netz befindliche Vergleichsliste, die Günter Hiller und ich erarbeitet haben und die noch weit mehr Typologien inhaltlich vergleicht, ist nach wie vor lesenswert: www.psychographie.de/typologien-vergleich.htm


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 27: Politikertypen im Superwahljahr
Frank-Walter Steinmeier, ehemals Kanzlerkandidat der SPD sagte einmal: "Die Politik braucht unterschiedliche Typen: die Rampensau, den Nachdenklichen, den eher Bauchgesteuerten und hoffentlich auch den, der mit Augenmaß eine gerade Furche zieht." (Stern Nr. 31/2007, S. 44)

Welcher der psychographischen Typen nun zu diesen "Steinmeierschen Politikertypen" passt, lasse ich einmal offen.

Klar ist aber, dass sowohl in aktuellen Interviews oder Talkrunden ebenso wie in älteren You-Tube-Videos reichlich Analysematerial zu finden ist. Meine Lieblinge sind z.B. Aufnahmen von Willy Brandt, Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Herbert Wehner oder auch Joschka Fischer.

Auch deshalb finden sich in meiner neuen Prominentenliste relativ viele Politikerinnen und Politiker - wo immer ich genügend Hinweise hatte, auch mit Angaben zum Untertypus. Kleiner Tipp hier: Vergleichen Sie eimmal das Typenmuster von Angela Merkel und Hannelore Kraft, der Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen - und sehen Sie sich dann Fotos der beiden an, z.B. auf picsearch.de

Die neue Promiliste finden Sie hier: www.123modell.de/promiliste.htm - viel Vergnügen!


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 26: Sein in der Zeit
Gestern fand ich zufällig im Buch von Ferdinand Seibt "Die Begründung Europas" einige sehr prägnante Zeilen (vermutlich eines Sachtypen) darüber, wie Zeit und Sein* zusammengehören:

"Sein in der Zeit

Nichts erscheint leichter in jenem Merksatz, der Descartes berühmt gemacht hat, als zu sagen: "Ich denke - also bin ich." "Ich denke heute, gestern, morgen. Also bin ich in der Zeit. Ich begreife die Zeit." (...) Sein und Zeit in Bezug zu setzen, ist ein altes Anliegen der Philosophie. Natürlich kann man auch Sein und Raum gemeinsam betrachten. Dazu muss man den Raum erkennen können. Man muss sehen. Die Zeit kann man nicht sehen, so wenig wie das Sein.

Man kann die Zeit also mit geschlossenen Augen wahrnehmen, und ganz allein. Aber man teilt diese Zeit auch mit allen anderen, ob sie wollen, ob wir wollen, oder nicht. Aus einem Raum kann man weggehen, um allein zu sein. Aus der Zeit nicht. Die Zeit, so freundlich sie uns ihr "Gestern, Heute, Morgen" anbietet, stellt uns sofort unter ihre Kuratel: Wir müssen mit dem Heute vorlieb nehmen, können nicht zurück ins Gestern, und dürfen das Morgen noch nicht erleben. Den Raum, diesen oder jenen, können wir dagegen, wie es scheint, wählen und nach Belieben erfahren.

Das ist ein merkwürdiges Zeitbewusstsein, das unser Dasein begleitet und uns zu Zeitgenossen macht: Wir teilen das Datum, wir wünschen uns einen guten Tag, Abend, Morgen, wir bekräftigen fort und fort ein Miteinander, das eigentlich nur durch ein Beisammensein verwirklicht wäre."

* dieser Zusammenhang von Sein und Zeit erscheint mir auch deshalb interessant, weil Dietmar Friedmann die Sachtypen ursprünglich als "Seinstypen" benennen wollte - und ich sie in der Neuauflage von "Warum sind wir so verschieden?" als "Temporiker" (also als "Zeittypen") bezeichne.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Quelle: Ferdinand Seibt, Die Begründung Europas, S. Fischer Verlag, 2002
 
Tipp Nr. 25: Machen, Äußern, Erzeugen
Um den Unterschied zwischen Fühlen, Denken und Machen (die Unterebene "Aktivität" oder "Tätigkeit") zu illustrieren, greife ich schon seit längerem auf die Metapher einer kleinen Fabrik oder Werkstatt zurück:

Fühlen entspricht in diesem Bild den angelieferten Rohstoffen, der Energie usw. - also allem, was in das Gebäude hineingeht.

Denken steht hier für die Verarbeitung, den Vorgang des Ordnens, Kombinierens, Aussortierens, Verbindens der Materialien zu einem fertigen Produkt.

Und das Machen schließlich wird durch die Auslieferung, das Ausstellen, Zeigen oder Verkaufen der Erzeugnisse symbolisiert.

Insofern - und das war für mich eine neue Erkenntnis - lässt sich der Begriff "Machen" auch gut durch "Erzeugen" umschreiben und nicht nur durch "expressives Äußern", wie ich es bisher gerne getan habe. Jetzt verstehe ich auch besser, warum manchmal die Eltern "meine Erzeuger" genannt werden oder man vom "Kinder machen" spricht ... :)


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 24: Schriftlich oder mündlich?
Eine kleine Beobachtung am Rande zur Frage, wie sich die psychographischen Erkenntnisse effektiv vermitteln lassen.

Offenbar macht es einen großen Unterschied, ob jemand etwas über dieses Thema liest oder ob es ihm von einem lebendigen, anwesenden Menschen erklärt wird. Zwar gibt es auch Fälle, in denen der "Aha-Effekt" allein durch das Lesen (z.B. eines Buches oder einer Webseite) eintritt, aber meistens sind es die persönlichen (Einzel-) Gespräche.

Warum?

Ich vermute, dass wir in der Kommunikation von Mensch zu Mensch automatisch auf den Typus unseres Gegenübers Rücksicht nehmen und unsere Art zu Erklären anpassen - nicht nur im Sprachniveau oder die Geschwindigkeit, mit der wir von Stufe zu Stufe gehen - sondern eben auch auf unsere "Ahnung" davon, mit welchem Typus wir es zu tun haben.

Das klappt natürlich bei einem Buch nicht, selbst wenn es "typgerecht" geschrieben ist. Auch beantworten Bücher und Internetseiten (noch nicht) Fragen, die man ihnen stellt, wenn man etwas nicht auf Anhieb versteht. Und auch ein Lehrer oder Dozent, der eine größere Anzahl von Lernwilligen vor sich hat, läuft automatisch Gefahr, nicht alle gleichermaßen gut zu erreichen oder auf alle Fragen eingehen zu können.

Diese Beobachtung verstärkt bei mir die Tendenz, so oft es geht Einzelgespräche oder Einzeltrainings zur Vermittlung der Psychographie zu nutzen und weniger auf die "großen Gruppen" zu setzen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 23: Von Delfinen, Blauwalen und Haifischen
Neulich auf einer Fortbildung: Nachdem die grundlegenden Triaden-Begriffe wie Ja/Vielleicht/Nein oder Herz/Geist/Körper am Flipchart stehen, eröffne ich auf einem neuen Blatt ein neues Dreieck.

Zuerst zeige ich anhand dreier sehr verschiedener Meeresbewohner auf, wie gut sich Delfin, Blauwal und Haifisch als Metapher eignen, um das "Gesamtbild" der drei verschiedenen Gruppen vorstellbarer zu machen.

Dann ein kleiner Test, ob die Übertragung aufs Festland und in unsere nähere Verwandtschaft funktioniert:

Ich notiere nur "Schimpanse" in die obere Ecke und frage in der Runde nach, welche anderen Affen den anderen beiden zuzuordnen wären. Ein Handlungstyp ruft spontan "Pavian" und wird aus der Runde auf "Gorilla" korrigiert. Zwei Sachtypen murmeln verhalten etwas von "Orang-Utan" und freuen sich über ihren Treffer. Eine "Wer-wird-Millionär"-Stimmung liegt im Raum.

Dann gehen plötzlich die Kommentare in der Gruppe hin und her und ich merke, dass meine "Vorhersage" zu Beginn des Workshops einzutreffen beginnt: Einmal mit diesen Unterschieden konfrontiert gibt es kaum noch ein "zurück" hinter die gewonnenen Erkenntnisse. Kurz darauf die ersten befreienden Lacher, Kicherer und freundliche Schulterklopfer. Während die frisch ernannten Delfine ihr schönstes Lächeln zeigen, lehnen sich die Blauwale entspannt und "erkannt" zurück, während sich die kraftvollen Haifische ein neues Opfer für den nächsten Angriff auf die Lachmuskeln aussuchen ...


Text und Redaktion: Werner Winkler

 
Tipp Nr. 22: Drei Gesellschaften in einer
Immer wieder einmal hört man Beiträge, die sich über "die Gesellschaft" beklagen oder sich darüber ärgern, dass unsere Gesellschaft so ist, wie sie wahrgenommen wird.

Interessant finde ich hierbei, dass die drei psychographischen Lebensbereiche in solchen Diskussionen auftauchen:

- die Wissens- oder Informationsgesellschaft
- die Leistungsgesellschaft
- die Spaßgesellschaft und die Solidargemeinschaft

Spannend, hier zu beobachten, welcher Mensch sich über welche dieser Gesellschaften beklagt oder welche er als dominant erlebt.

Andererseits könnte man auch durchaus eine ganze Gesellschaft "typisieren" und nachsehen, welche Gewichtung zwischen den drei Bereichen jeweils aktuell vorliegt.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 21: Erkannt statt verkannt.
Wie kann ein Handlungstyp-Schüler in einem Fach die Note vier und im anderen die Note eins haben (mündlich, Mitarbeit), obwohl er beide Fächer gleich gerne mag und subjektiv den Eindruck hat, sie gleich gerne zu mögen? Ganz einfach: im ersten Fach ist der Lehrer Sachtyp und zweiten Handlungstyp.

Als der Schüler dem "Vierer-Lehrer" die Einsen aus dem anderen Fach zeigt und wissen will, warum er mündlich so schlecht bewertet wird, obwohl er doch so aktiv mitarbeite, kommt der Lehrer ins Grübeln und verspricht, ihn noch einmal besser zu beobachten.

Meine Vermutung hier (und die der Mutter, die über die Typunterschiede Bescheid weiß): Der Schüler bzw. seine typeigenen Stärken wurde schlicht nicht als solche erkannt - und er somit ver-kannt.

Um es mit einem Beispiel zu sagen: Angenommen, jemand hat noch nie ein Auto gesehen und ist auf der Suche nach einer Unterkunft. Das erste, das er findet, ist ein VW-Bus. Er öffnet die Tür und steigt ein. Er denkt, er habe ein Mini-Haus gefunden, wundert sich, dass es auf runden Gummistelzen steht und vier Türen hat. Dann ärgert er sich, dass die Fenster so unpraktisch sind und dass es keinen Ofen oder wenigstens eine Heizung gibt. Auch eine Steckdose sucht er vergeblich. Er gibt dieser Unterkunft die Note 5 und findet nie heraus, dass er damit nach Italien fahren könnte :)

Wobei sich ja langsam etwas ändert ... mit jedem, der über die Unterschiede zwischen den von uns beobachteten Typgruppen und ihre Ursachen "aufgeklärt" wird.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 20: Von Häusern, Gärten und Zoos
Seit es die "Haus-Metapher" gibt, um die Gewichtung der verschiedenen Stärken aufzuzeigen, benutze ich diese Möglichkeit fast immer, wenn ich eine Typanalyse oder Stärken-Profil-Analyse durchführe.

Da nicht jeder mit einem Haus etwas Positives verbindet, teste ich auch hin und wieder die "Garten-Metapher". Da sind die verschieden großen Räume des Hauses dann eben Felder mit Kartoffel- oder Blumenbeeten.

Oder sie zeigen neun Gehege, in denen wie in einem Zoo Tiere leben. Da stehen die Tiere dann als Metapher für die neun Stärken, also z.B. der brüllende Löwe für die Aktivität "Machen", die stumme Eule für die Aktivität "Denken"und der weitblickende Adler für das "Wahrnehmen".

Gerade für Kinder oder Jugendliche wird so der Zusammenhang verständlicher.

Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 19: Wer stört sich an was?
Zum wiederholten Mal hörte ich neulich von einem Klienten, dass eine Psychologin seine Eigenschaften als "Störung" betitelt hätte. Da, wo ich (als Psychographie-Kundiger) die typischen Eigenschaften eines Sachtyp-Menschen sah, beobachtete die Psychologin eine "Körperwahrnehmungsstörung". Und wo für mich die typischen Probleme eines Ich-Bezogenen erkennbar wurden, bekam er das Etikett der "Sozialen Störung" angeheftet.

Letztlich machen die Psychologin und der Psychograph etwas Ähnliches: wir geben einem offenkundigen Problem einen Namen. Der Unterschied wird aber dann deutlich, wenn es um die Konsequenzen aus der Etikettierung geht: Im einen Fall ist dringend eine Verhaltenstherapie angeraten, im anderen die eigenverantwortliche Aktivierung der typeigenen Ressourcen (was durchaus mit fachlicher Unterstützung stattfinden kann).

Ob sich jemand an seinen weniger entwickelten Stärken "stört", sie gar als Krankheit einordnet oder sie als Teil seines "Soseins" annimmt, macht für den Umgang so gesehen einen großen Unterschied ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 18: Akzeptieren des eigenen Charakters
Helmut Schmidt, der frühere Bundeskanzler, sagte neulich in einem Interview anlässlich seines 93. Geburtstages: "Sie müssen Ihren eigenen Charakter akzeptieren, wie er ist."

Damit spricht er einen nicht nur für Handlungstypen (ich halte ihn für einen Handlungstyp-Denker wie Jogi Löw) wichtigen Punkt an, der durch die Erkenntnisse der Psychographie erleichtert wird: Das Akzeptieren, Respektieren, Für-Okay-Nehmen und vielleicht sogar Lieben dessen, was wir als Persönlichkeit mitbekommen haben.

Wenn wir davon ausgehen, dass unsere Persönlichkeitsstruktur angeboren und nicht durch Erziehung oder eigene Anstrengungen bzw. Versäumnisse entstanden ist, können wir im Grunde nicht anders als sie so anzunehmen, wie sie ist.

Und auch die Veränderung, Veredelung oder Erweiterung unserer Möglichkeiten setzt voraus, das Vorgefundene zu akzeptieren und dann auf ihm aufzubauen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 17: 12-fache Weihnachtsgrüße
Aus der Reihe: Wo man die Typunterschiede gut beobachten kann.

In den Wochen vor Weihnachten war ich als Kalligraf (Schönschreiber) in einen Konsumtempel gebucht, um dort Grußtexte auf eine schöne Verpackung für Parfüms zu schreiben - Texte nach Wunsch der Kunden.

Immer wieder musste ich mir dabei ein Lächeln verkneifen, weil die Wünsche so typisch waren - manchmal machte einen "abmildernden" Vorschlag, meist aber beließ ich es dabei und dachte mir meinen Teil.

Einige (nicht wörtliche) Kostproben, passend zu den 12 unterschiedlichen Gruppen, die wir als Psychographen beoabachten:

Beziehungstyp/Relationiker: Für meinen Bären vom Bärchen in ewiger Liebe. (ihr Gesicht strahlt dabei wie ein Weihnachtsbaum)

Sachtyp/Temporiker: Für Manuela. (er hatte darüber vielleicht fünf Minuten in der Schlange nachgedacht; er fragt nach, ob der Text auch "neutral genug" sei und nicht zweideutig ankommen könne)

Handlungstyp/Aktioniker: Für die liebste Kollegin der Welt. (Auf Nachfrage, ob sie nur einer Kollegin etwas schenken würde: ja, mit der sei sie über die Jahre wirklich sehr gut befreundet, auch privat).

Du-Bezogene: "Was würden Sie denn für Ihre Mutter schreiben lassen?" Ich schlage vor: "Für die liebste Mama der Welt", was akzeptiert wird. Ich frage noch nach, ob ich auch schreiben soll, von wem. Antwort: "Nein, das weiß sie dann schon."

Ich-Bezogene: "Von Maria mit den besten Wünschen zu Weihnachten." Sie kommt später zurück und lässt noch den Namen ihres Mannes ergänzen, da ihr zuhause aufgefallen ist, dass das Geschenk von beiden ist und es sonst bestimmt Ärger gibt. Offenbar ist ihr so etwas schon öfters passiert.

Wir-Bezogener: "Es kommen da einige Namen darunter - hat es dafür Platz, oder sollen wir nur schreiben: von der Familie XY?". Ich bestehe darauf, alle Namen einzeln zu schreiben, was ihn sichtlich freut. Was ich da noch nicht wusste - er hatte drei Schachteln, in die ein identischer Text geschrieben werden sollte, nur mit anderen Adressaten.

Gegenwartsorientierter (völlig verstört, als er an die Reihe kommt): "Jetzt habe ich glatt vergessen, für wen das Geschenkt sein soll."

Vergangenheitsorientierter: Als Dank für ein besonderes Jahr und für Alles.

Zukunftsorientierter: Für ein duftendes Neues Jahr. (Kommentar: die Schachtel wird sicher noch lange benutzt, oder?)

Fühler: "Schreiben Sie einfach etwas ganz Schönes - Ihnen fällt bestimmt etwas ein!" Ich frage nach, was sie sich denn gedacht hat, worauf sie mit hochrotem Gesicht einen sehr ansprechenden Glückwunsch vorschlägt.

Denker: (stand lange in der Warteschlange und braucht dann - mit nervöser Schlange hinter sich) nochmal einige Sekunden, bis er seinen Text formulieren kann (welchen, habe ich leider vergessen).

Macher: (streitet sich schon in der Warteschlange und dann vor dem Schreibpult mit ihrer Freundin lautstark, ob der Text in Türkisch oder Deutsch geschrieben werden soll). Er war dann in Türkisch und sie hat ihn mir mit kräftigen Buchstaben aufgeschrieben.

 
Tipp Nr. 16: Drei Typen beim Jazz
Aus der Reihe: Wo man die Typunterschiede gut beobachten kann ...

Abends in einer kleinen Jazzbar in Stuttgart. Als erster Musiker kommt ein junger Sachtyp-Mann, der sein antiquarisch wirkendes Saxophon in aller Ruhe warmbläst. Er braucht etwas Zeit, um sich in Fahrt zu bringen, spielt sich dann aber seine Emotionen mit so viel Kraft aus dem Leib, dass fast die Tasten rauchen. Trotzdem bleibt er völlig locker (körperlich), jede Schallwelle scheint ihn im Rhythmus zu bewegen. Seine Soli kann er kaum beenden - immer kommt noch ein kleiner Zusatzschlenker. Am Ende nimmt er dankbar Umarmungen und Schulterklopfungen an.

Ganz anders die Handlungstyp-Pianistin und Chefin: Kerzengerade sitzt sie auf ihrer harten Bank, sie spielt die Töne hart und verzieht den ganzen Abend kaum eine Miene - nickt nur hin und wieder den anderen zu. Erst gegen Ende, nach einem Weihnachtslied und einer Rose, die ihr ein Fan überreicht, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht und verweilt noch einige Momente der Rührung. So kraftvoll, wie sie gespielt hat, müsste sie eigentlich völlig am Ende ihrer Kräfte sein - sie wirkt aber, als könne sie nochmal zwei Stunden dranhängen. Ähnlich der Drummer: auch er beackert sein Instrument so konsequent und berechenbar, dass man ihn glatt durch eine Maschine hätte ersetzen können. Auffallend auch, dass er in der ersten Hälfte den Blickkontakt mit dem Publikum meidet und konsequent zur Seite schaut. Da ist einer bei der Arbeit, denke ich. Spaß sieht anders aus.

Und dann die "dritte Partei": ein Beziehungstyp-Fühler mit einem weichen Gesicht wie ein dem Märchen entlaufener Königssohn. Schon bei den ersten Tönen wird klar, dass dieser Musiker sein Instrument, einen riesigen Kontrabass, ins Herz geschlossen hat. Sein Spiel wirkt, als ob er mit dem ihn überragenden Klangkörper einen Tanz absolviert. Zahlreiche Regungen sind in seinem Gesicht zu lesen, immer wieder sucht er den Blickkontakt zu seinen Mitspielern, lächelt ihnen zu oder schaut verstört, wenn er den Anschluss zu verlieren droht.

Eine gelungene Mischung, denke ich mir, finde es wieder einmal schade, dass ich keine kleine Kamera in meiner Brille eingebaut habe und nehme mir vor, das Beobachtete wenigstens für die Leser hier zu Papier zu bringen ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 15: Don Quichote im Coaching
Warum musste Don Quichote von la Mancha kämpfen?

Im Coaching-Gespräch mit einem Kollegen (vermutlich Handlungstyp) beklagte er sich darüber, dass seine trägen Mitarbeiter (hochspezialisierte Techniker! Vermutlich überwiegend Sachtypen) selten in die Gänge kämen und Neuerungen nur schwer annähmen oder sogar torpedierten.

Gegen Ende des Gespräches tauchte in mir das Bild von Don Quichote und seinem Kampf z.B. gegen Windmühlen auf. Motto: Wenn kein Feind da ist, muss man ihn sich erschaffen. Dann erinnerte ich mich, was einer meiner spirituellen "Meister" über Don Quichote zu sagen wusste:

Frage: Warum musste Don Quichote kämpfen?
Antwort: Weil er eine Rüstung trug! (Nicht, weil es so viel Feinde gäbe)

Genau diese Frage und Antwort spielte ich mit meinem Kollegen durch. Nach der Antwort schlug er sich mit der Handfläche auf die Stirne und fing an zu lachen.
"Mein Gott, warum muss eigentlich immer ich die Probleme lösen? Noch dazu, wo es doch gar nicht meine sind."

Er bedankte sich und konnte erleichtert in den Weihnachtsurlaub fahren.


Text: Bernhard Heerdt
Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 14: Enthüllung des Typverdachts
Da vielen Seminarteilnehmern am Anfang nicht bewusst ist, dass die Typen der Psychographie wertfrei zu sehen sind, ist es aus meiner Erfahrung besser, sich mit der schnellen "Enthüllung" eines Typverdachts zurück zu halten, auch wenn man sich ziemlich sicher ist.

Speziell für Sachtypen scheint es häufig eine Art "Übergriff" darzustellen, sie vor einer Gruppe als solche zu bezeichnen. Ich vermute (man möge mich korrigieren), dass es darum geht, das "Geheimnis um die eigene Person" zu wahren - insbesondere das Spezielle, Individuelle, Einzigartige.

Indem ich stattdessen die Typen in ihrer Unterschiedlichkeit möglichst deutlich vorstelle, auch Stärken und Schwächen ausgewogen berücksichtige, kann jeder Teilnehmer für sich darauf kommen, zu welcher Gruppe er gehört.

Interessanterweise scheinen Sachtypen in Pausengesprächen unter vier Augen wesentlich einfacher ihre "Typvermutung" entgegen zu nehmen. Eine Kursteilnehmerin meinte neulich so treffend: Ich fühle mich direkt wohl bei dem Gedanken, ein Sachtyp zu sein.


Text und Redaktion: Werner Winkler


 
Tipp Nr. 13: Bewertungsenthaltung
Neulich erzählte mir ein Kollege von einer asiatischen Typologie, die neben den "neutralen" Typbezeichnungen noch eine bewertende Unterteilung von Menschen anbietet, ähnlich wie die populäre Unterscheidung in "gute, schlechte und neutrale" Menschen.

Bei dieser Gelegenheit wurde mir nochmal bewusst, dass es für die Psychographie durchaus sinnvoll und auch wichtig ist, auf solche wertenden Begriffe völlig zu verzichten und die Typenbilder so wertfrei wie möglich zu halten.

Drei Gründe hierfür: Erstens: Menschen können sich hinsichtlich ihrer "Art" ändern, jedoch nicht in dem, was ihren Typus ausmacht (höchstwahrscheinlich).

Zweitens: Bewertungen entstehen stets zwischen (!) zwei Menschen - der Typus hingegen ist etwas, das direkt mit einem Menschen verbunden ist. So kann für mich ein Mensch "neutral" wirken, auf jemand anderen jedoch "gut".

Und Drittens: Kein Mensch ist "nur gut" oder "nur schlecht". Auch ein Heiliger hat sicher ab und zu Anflüge von Bosheit und selbst der schlimmste Verbrecher wurde sicher nicht als solcher geboren oder besteht nur aus "Bösem".


Text und Redaktion: Werner Winkler

 
Tipp Nr. 12: Aha? So, so. Na klar!
Ich benutze das Modell der Psychographie dafür, in den ersten 2-3 Unterrichtsstunden meiner Kommunikationsseminare einen nachhaltigen Aha-Effekt zu erzeugen.

Meine Teilnehmer sollen dabei keine Psychographen werden, aber ihr Bewusstsein
für die unterschiedlichen Hintergründe entwickeln vor denen Menschen miteinander umgehen, ihr Leben gestalten und Missverständnisse eskalieren.
So erzeuge ich Neugier und Betroffenheit als Grundlage für die Lernbereitschaft der TeilnehmerInnen.

Ich stelle anschließend eine wesentliche Motivationssteigerung zum Erlernen der wichtigsten Regeln gelingender Kommunikation fest. Wenn danach Teilnehmer mehr über Psychographie erfahren wollen, was häufig der Fall war, bekommen Sie von mir neben weiterführenden Antworten den Link auf die wunderschöne
www.dreifarbenwelt.de (auch für Erwachsene!) und den Hinweis auf Werner Winklers Buch.

Text: Bernhard Heerdt
www.sprechmanufactur.de

Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 11: Typgerechte Vorsätze fürs Neue Jahr.
Demnächst ist es wieder soweit: Ein neuer Kalender und eine neue Jahreszahl laden uns ein, alles anders und besser zu machen.

Für die Sammlung an guten Vorsätzen möchte daher ich einige für jeden Typus anbieten:

Beziehungstypen/Relationiker: Nur ein Drittel so viel verschiedene Dinge anfangen und dafür dreimal so viel Zeit nehmen.

Sachtypen/Temporiker: Dreimal so viel wegwerfen wie bisher, dreimal so schnell aktiv werden, dreimal so häufig "Nein" sagen.

Handlungstypen/Aktioniker: Dreimal so häufig lächeln, dreimal so oft eine Verschnaufpause einlegen und etwas Schönes genießen, dreimal so viel Nachsicht mit sich selbst und seinen Unperfektheiten üben.

... und wenn es dann nur halb so oft klappt, wie vorgenommen, ist trotzdem eine Menge erreicht :)


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 10: Typanalyse statt Psychoanalyse?
Neulich schrieb mir jemand: "Ich würde gerne eine Typanalyse bei Ihnen machen lassen".

Und da ich sehr auf "erwünschte Ausnahmen" achte - also auf Ereignisse, von denen ich mir wünsche, dass sie öfters passieren, hielt ich kurz inne und freute mich.

Denn wäre es nicht wundervoll, wenn in einigen Jahren oder Jahrzehnten überall auf der Welt Menschen diesen speziellen Blick auf sich selbst, den eine Typanalyse (oder "Stärken-Profil-Analyse") bietet, erleben könnten?

Mir scheint - ohne damit den Psychoanalytikern zu nahe treten zu wollen - dass das es wesentlich wirkungsvoller wäre, zwei Stunden damit zu verbringen als 200 Stunden auf einer Couch ins Leere zu sprechen.

In diesem Sinne: Mehr von dieser Ausnahme in 2011!


Text und Redaktion: Werner Winkler

 
Tipp Nr. 9: Mehr Erfolg der Psychographie?
Eine immer wieder gestellte Frage lautet:
Warum ist die Psychographie noch nicht erfolgreicher, verbreiteter, bekannter?

Die für mich plausibelste Antwort darauf ist, dass es sich beim psychographischen Wissen um mehr handelt, als nur etwas "Fachkenntnis", die ich mir an einem Wochenende oder aus einem Buch aneignen kann.

Um mit diesem Modell zu arbeiten, muss ich mich selbst in einer Weise einlassen, die für viele andere Modelle nicht notwendig ist. So kann ich z.B. bereits nach einem Crashkurs in Lösungsorientierter Gesprächsführung die dort gelernten Fragen stellen und werde einen guten Effekt erzielen.

Aber um mit den Typunterschieden zu arbeiten, muss ich zunächst mich selbst aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten (lassen) - und das erfordert Mut, Offenheit und auch etwas Zeit, um die so gewonnenen Erkenntnisse zu verarbeiten und in den Alltag zu übertragen.

Der Tipp der Woche lautet daher: Nichts überstürzen! Die guten Dinge verbreiten sich in aller Regel im Laufe der Zeit und mit denen, die sie benutzen.  


Text und Redaktion: Werner Winkler

 
Tipp Nr. 8: Typmerkmale sicher kennen
Eine einfache Übungs- und Testmöglichkeit zur sicheren Erkennung der Typenmerkmale (Grund- und Untertypen) bieten die auf der Seite www.psychographen.de zu findenden Typentests:

Nehmen Sie sich vor, nur die Merkmale eines Typs anzukreuzen (z.B. Sachtypen oder Macher). Bei diesen kreuzen Sie jeweils 5 Punkte an, alle anderen lassen Sie leer. Beim Ergebnis müssten dann 100% für den ausgewählten Typ erscheinen, falls Sie alle korrekt angekreuzt haben.

Wissen Sie bei einem Text (Item) nicht, zu welchem Typus dieser gehört, kreuzen Sie nur diesen an und gehen dann gleich zur Auswertung.

Vier Beispiele als Test: Zu welchen Typen/Untertypen gehören diese Beschreibungen? (Lösungen weiter unten)

(1) .... vermeidet es, deutlich "Nein" zu sagen bzw. etwas abzubrechen, das schon längere Zeit besteht, zu kündigen, sich zu trennen, Telefongespräche zu beenden etc.

(2) .... redet vom Du, obwohl von sich selbst erzählt wird

(3) .... erinnert sich detailliert an sehr viele frühere Ereignisse

(4) .... neigt dazu, gegenüber jemandem, der viel spricht längere Zeit still zu sein

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Richtige Zuordnung:
(1) Sachtyp
(2) Du-Bezogener
(3) Vergangenheitsorientierter
(4) Denker


Text und Redaktion: Werner Winkler


 
Tipp Nr. 7: Typverdacht - Sprachmuster
Als ich 1997 begann, nach Merkmalen für offenkundigen Typunterschieden zu suchen, fiel mir recht bald auf, dass je nach Grundtyp bestimmte spontane Äußerungen als Hinweisgeber taugen.

Beziehungstyp/Relationiker:
antwortet sehr rasch und häufig mit "Ja" oder auch "Jaja" bzw. ähnlichen Wörtern (Okay, klar, gut, prima, toll, logo usw.) und unterstreicht die durch ein offenes-fröhliches Gesicht oder auch durch zustimmende Handbewegungen (Daumen nach oben etc.).

Sachtyp/Temporiker:
setzt oft Pausen, auch vor einer Antwort bzw. ergänzt seine Aussagen häufig mit "tja, hm" oder auch mit "vielleicht", "womöglich", "denkbar dass", "könnte sein dass" - manchmal begleitet mit einem langsamen Bewegen des Kopfes, der Unentschlossenheit signalisieren soll.

Handlungstyp/Aktioniker:
beginnt viele Sätze mit "Nein" oder antwortet spontan mit "Mehrfach-Neins" (gezählt wurden bis zu sieben Neins am Stück!) bzw. anderen verneinend-abwehrenden Wörtern wie "Ne", "Nicht doch" und Kopfschütteln. Abwehrende Handbewegungen sind auch zu beobachten.

Eine ausführliche Sammlung von "Lieblingswörtern" findet sich auf http://www.psychographium.de/woerter.htm
 
Tipp Nr. 6: Äußerliche Typverdachts-Merkmale
Auch wenn das natürlich keine "sicheren" Merkmale sind, wie im letzten Tipp der Woche erläutert, sind die folgenden Merkmale doch immer wieder hilfreich für den "ersten Verdacht":

Beziehungstyp/Relationiker:
vielfältige Mimik, die einen Rückschluss auf den emotionalen Zustand zulässt

Sachtyp/Temporiker:
lockerer, entspannter Körpertonus wird immer dann eingenommen, wenn möglich - auch beim Gehen oder Sitzen ("Stand-by-Modus")

Handlungstyp/Aktioniker:
hohe Körperspannung, aufrechter und oft "marschähnlicher" Gang sowie die anhaltend parallelen Handbewegungen, die wie Schnitte in die Luft ausgeführt werden, um das zu unterstreichen, was gesagt wird
 
Tipp Nr. 5: Verdacht und Analyse
Bei der Frage: "Zu welcher Gruppe bzw. zu welchem Typus gehört ein Mensch?" sollten wir wirklich streng zwischen dem "Verdacht" und der "Analyse" unterscheiden.

Die fachlich angemessene "Analyse" braucht sowohl den Fachkundigen (mit seiner Kenntnis des Modells und der Zugehörigkeitskriterien) als auch denjenigen, der wissen möchte, zu welcher der drei Gruppen er gehört. Daher der Begriff der "konsensuellen Typanalyse" bzw. "Stärken-Profil-Analyse".

Anders bei der Bildung eines "Verdachts": Hier kann ich etwa in einer Alltagssituation den Eindruck bekommen, Herr X. könne zur Gruppe der Beziehungstypen/Relationiker gehören. Er selbst bekommt davon überhaupt nichts mit, außer vielleicht dass ich mehr auf die Dinge eingehe, die für diese Gruppe von besonderer Bedeutung sind.

Auf diesem "Verdacht" basierend sind auch die Zuordnungslisten der Prominenten in den Büchern oder im Internet (z.B. auf www.psychographie.de/prominente.htm) erstellt worden. Trotzdem brauchen wir auch diese Methode, trotz ihrer Grenze, für die Anwendung.

Und je länger man sich mit dem Thema befasst und mit je mehr Menschen man eine fachlich korrekte Analyse durchgeführt hat (und damit seinen Verdacht bestätigt oder verworfen sieht), optimiert man auch die Fähigkeit, oft in wenigen Momenten "richtig" zuzuordnen.

Ein Beispiel: Neulich saß in einer Gruppe mir unbekannter Menschen jemand, der mich spontan an den Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse erinnerte. Innerlich machte ich also einen kleinen Bleistiftvermerk "Sachtyp-Verdacht" und beobachtete ihn weiter. Als er an die Reihe kam, seine Meinung zu einem Projekt zu äußern, ging es ihm besonders darum, dass man sachlich bleibt, sich an Themen hält und die Organisation nicht übertreibt - weil er die bisher etwas sehr chaotische Entwicklung des Projekts so angenehm erlebt habe. Ihm war auch die Zeit, die für die Diskussion zur Verfügung stand, viel zu kurz. Ich habe dann später, als ich ihm an einem Punkt widersprechen musste, versucht, dies möglichst dezent und unter spezieller Würdigung seines Standpunktes zu tun. Er wirkte dabei so, als könne er meine Kritik annehmen, was meinen Verdacht weiter festigte.

Mehr dazu nächste Woche ...
 
Tipp Nr. 4: Das fehlende Dritte.
Eine der Hauptinnovationen des psychographischen Modells: die Triaden.

Wo z.B. bei Martin Buber nur von "Ich und Du" (1923) die Rede ist oder bei Erich Fromm von "To Have or to Be?" (dt. "Haben oder Sein", 1976) - kommt nun das "Wir" als drittes Element zum Ich und Du, und das "Können" zum Haben und Sein.

Ein kleiner Test: Ergänzen Sie das fehlende Dritte:

Ja-Nein-.....
Theorie-Praxis-....
gut-schlecht-.....
Herz-Hand-....
Saat-Ernte-....
Flucht-Angriff-...

Die Lösungen finden Sie, wenn Sie nach unten scrollen:
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Ja-Nein-Vielleicht
Theorie-Praxis-Innovation/Idee
gut-schlecht-neutral
Herz-Hand-Kopf
Saat-Ernte-Pflege
Flucht-Angriff-Verteidigung


 
Tipp Nr. 3: Das Doppelgänger-Phänomen
Die erste Bundesratspräsidentin Deutschlands und Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, wir von vielen als "Doppelgängerin" von Angela Merkel wahrgenommen - nicht nur optisch, sondern auch von ihrem Verhaltensmuster her.

Als Psychographen benutzen wir das Wort "psychographischer Zwilling" dann, wenn zwei Personen die gleiche Typkombination zeigen (also im Falle der beiden angesprochenen vermutlich: Sachtyp/Temporiker, wir-bezogen, zukunftsorientiert, Denker - Typencode 2332).

Warum sich bei gleichen Bevorzugungen häufig auch optische Ähnlichkeiten zeigen, gehört zu den noch nicht geklärten Fragen der Psychographie - auch deshalb, weil diese einerseits nicht immer vorkommen und andererseits wenn sie auftauchen (also wenn uns jemand massiv an einen uns bekannten Menschen erinnert), dann auch sehr oft die gleichen Bevorzugungen auftauchen.

Ich nutze das durchaus als einen Hinweisgeber bei der Typanalyse (zumindest als Typverdacht).

Auch unser derzeitiger Bundespräsident Christian Wulff hat im Bundestag einen solchen "Doppelgänger": http://www.picsearch.de/index.cgi?cols=4&width=737&q=clemens+binninger - ich selbst kenne drei Männer in ähnlichem Alter wie der Bundespräsident, die ihm ebenfalls sehr gleich sehen und die ich als Sachtyp/Temporiker, ich-bezogen, gegenwartsorientiert und Macher typisiert habe. Vielleicht ergibt sich ja einmal die Gelegenheit, das zu überprüfen?

Eine Diskussion zu diesem Thema findet sich übrigens hier: http://www.psychographen.de/forum/?file=forum_show&id=116&showselect=all

Text und Redaktion:
Werner Winkler
 
Tipp Nr. 2: Ist kostenlos automatisch billig?
Ist kostenlos automatisch billig?

Es ist zwar in Zeiten des Internets üblich, viele Dokumente, Dienste und Informationen kostenlos zur Verfügung zu haben - trotzdem höre ich manchmal, die vielen Angebote der Psychographie-Initiative könnten als "billig" missverstanden werden, wenn andere Typologien ihre Erkenntnisse, Tests und Analysen nur gegen einen entsprechenden Obulus, teure Ausbildungen oder an lizenzierte Geschäftspartner herausrücken.

Wie kam es dazu, dass "hier" so vieles kostenlos zu haben ist? Als wir 1999 den Verein mit 12 Gründungsmitglieder mit dem Ziel gründeten, eine Plattform für den Erfahrungsaustausch für diejenigen zu haben, die mit diesem Modell arbeiten, war auch rasch klar, dass wir das als gemeinnütziger Verein tun wollten. Und obwohl uns das nicht bewusst war, macht, wenn en wir das, was inzwischen als "Linux-Prinzip" oder "Wikipedia-Prinzip" bekannt ist: Jeder bringt seine Kompetenzen ein, wenn er sie hat und kann gleichzeitig davon profitieren - und zwar ohne ständig eine Rechnung schreiben zu müssen oder eine zu bekommen.

Gegenseitigkeit ist also eines der Fundamente des bisher erzielten Erfolgs und die vielen Angebote auf www.psychographen.de - gerade bei den Downloads*, die viel genutzt werden, wie uns die Auswertungen zeigen - sind zwar gratis zu haben, aber deswegen nicht billig. Sie sind möglich geworden, weil die (aktuell ca. 160) Vereinsmitglieder seit Jahren ihren relativ geringen Beitrag von 20 Euro pro Jahr bezahlen und so die Mittel für dieses "Geschäft auf Gegenseitigkeit" - und zum Nutzen der Allgemeinheit - bereitstellen.

An dieser Stelle also ein großes Dankeschön an alle derzeitigen Mitglieder und eine freundliche Einladung an diejenigen, die es gerne werden wollen!

* ganz aktuell dort: die neueste Version der "Stärken-Profil-Analysen"-Auswertung.


Text und Redaktion: Werner Winkler
 
Tipp Nr. 1: Kleine Häppchen gefällig?
Wie vom Vorstand der Psychographie-Initiative beschlossen, servieren wir euch künftig jeweils Sonntags um 12 Uhr ein "kleines Häppchen" vom reichhaltigen Büffet der Psychographie als Tipp der Woche.

Heute: Die Triade "Ja/Vielleicht/Nein" und ihre Verwendung im Alltag.

Wie inzwischen bekannt, hat jeder von uns seine Lieblingsecke in einer Triade und neigt dazu, diese übertrieben oft einzusetzen und die nachfolgende eher zu vergessen.

Während also Beziehungstyp-Menschen reflexartig ein "Ja" auf den Lippen haben, verschaffen sich Menschen der Sachtyp-Gruppe mit ihrem "Vielleicht" ausreichend Zeit, um noch mehr Informationen einzuholen. Und wer sich als Handlungstyp kennt weiß auch, dass er ohne das regelmäßige "Nein" bald so viel um die Ohren hätte, dass er überhaupt nicht mehr zur Ruhe käme.

Zum Glück ist es relativ einfach, die eigene Schwachstelle (oder die der anwesenden Mitmenschen) zu trainieren: Als Beziehungstyp nehme ich mir vor, dem "Ja, ja ..." gleich ein "... moment, ich muss nochmal in Ruhe nachschauen, ob das geht" hinterher zu schieben. Als Sachtyp stecke ich mir ein kleines rotes Kärtchen in den Geldbeutel oder die Hosentasche, das mich an die Möglichkeit erinnert, "Nein" oder "Stop" sagen zu dürfen - auch wenn das schwer fällt. Und als Mensch aus der Handlungstyp-Gruppe genehmige ich mir mindestens einmal am Tag ein herzhaftes "Ja, gerne." und lasse mich auf Neues, fremde Menschen, ungewöhnliche Ideen oder einen Versuch ein - zwinge mich gewissermaßen zu meinem Glück.

Ergebnis: mehr Verständnis für die anderen beiden Gruppen, weniger Stress und neue Erfahrungen.

Gerne lesen wir dazu Erfahrungsberichte der Leser und berichten darüber in einem der nächsten Tipps der Woche!


Redaktion und Text: Werner Winkler